Darmstadt nimmt illegale Online-Casinos ins Visier flag

James Johann | 04-03-2020

Aufsichtsbehörde nimmt illegale Online-Casinos ins VisierDie iGaming-Branche in Deutschland durchlebt weiterhin turbulente Zeiten. Den neuesten Berichten aus der Region zufolge bereitet sich das Regierungspräsidium Darmstadt, das für die Aufsicht von Online-Sportwetten zuständig ist, darauf vor, Sperrverfügungen für Online-Casinos zu erlassen. Dieser Schritt zielt darauf ab, die zahlreichen illegalen iGaming-Aktivitäten in Deutschland einzudämmen – viele sind jedoch der Ansicht, dass die Maßnahmen nicht weitreichend genug sind und zu spät kommen.

Zwischenzeitlich wird die Aufsichtsbehörde von Lizenzanfragen legaler Online-Casino-Betreiber überhäuft. Nach derzeitigem Stand sind fast 30 Anträge offiziell eingegangen, weitere 20 Betreiber haben bereits angekündigt, diesem Beispiel zu gegebener Zeit folgen zu wollen.

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat seine langfristigen Ziele erklärt. So sollen 99 % der Sportwettenaktivitäten im Land über legale, regulierte Kanäle laufen, nachdem das illegale Segment eingedämmt und legale Lizenzen erteilt wurden.

Legal oder gesperrt

Ob diese hochgesteckten Ziele realistisch sind, bleibt fraglich. Das Regierungspräsidium Darmstadt berichtete, dass illegale Online-Casino-Betreiber, die es auf das Land abgesehen haben, kontaktiert und über die bevorstehenden Maßnahmen informiert wurden. So sollen bis zu 100 Personen direkt gewarnt und ihnen Informationen über den Antrag auf eine legale Lizenz ausgehändigt worden sein. Ob der Großteil der illegalen Betreiber entsprechend reagieren wird, ist ungewiss.

Ungeachtet dessen erklärte die Behörde, dass Organisationen, die ihre Rechtsverstöße vor dem Hintergrund der ergangenen Warnung nicht unmittelbar einstellen, gesperrt werden. Das bedeutet konkret, dass die deutschen Banken dazu gezwungen werden, die Verarbeitung von Finanztransaktionen an und von den unlizenzierten Einrichtungen einzustellen, was diese effektiv lahmlegt.

Nach derzeitigem Stand bereitet die Aufsichtsbehörde derartige Sperrmaßnahmen gegen einige nicht näher genannte Ziele vor.

Eine neue Ära

Diese Geschehnisse begleiten die Vorbereitung Deutschlands auf den Eintritt in eine neue Ära der iGaming-Freiheit. Die dritte Novellierung des Glücksspielstaatsvertrags trat am 1. Januar 2020 in Kraft und läuft am 30. Juni 2021 aus. Zweck war die Legalisierung von Online-Sportwetten, die für Deutschland allerdings bereits seit Jahren überfällig war. Der Vertrag hatte jedoch keine Auswirkungen auf Online-Casinos, die bis auf Weiteres illegal bleiben.

Nach dem Auslaufen des Vertrags soll dieser jedoch durch einen neuen Regulierungsvertrag ersetzt werden: den Glücksspielregulierungsstaatsvertrag. Dieser wird erstmals alle Formen von Online-Casinos offiziell legalisieren und Deutschland in eine seit Jahren erwartete Ära führen.